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Wiener Wellenmacher

(14.12.17) Schon mit ihrem Namen macht die Wiener Firma Hookipa Biotech klar, dass sie eine Welle neuartiger Impfstoffe auslösen will. Eine frische Kapitalerhöhung über 50 Millionen Euro könnte für die nötige kräftige Brise sorgen.
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© Natural News

Wenn eine Biotech-Firma es schafft, sein Kapital über Investments mit einem Schlag um 50 Millionen Euro aufzustocken, lässt das zumindest aufhorchen. Was hat oder kann diese Firma Besonderes, dass die Investoren ausgerechnet ihr zutrauen, ihr durchaus mit Risiko eingesetztes Geld noch zu vergolden?

Gelungen ist dieser Millionenb-Coup gerade dem Wiener Unternehmen Hookipa Biotech. Anfang der Woche ließ deren Geschäftsführung bekannt geben, dass die Firma ihr Kapital in einer sogenannten überzeichneten Serie C-Finanzierungsrunde um 50 Millionen Euro erhöht habe. (Für Unbedarfte sind die einzelnen Finanzierungsrunden ab der Start-up-Phase hier ganz gut erklärt.) Über ihre „Gönner“ schreiben sie dazu konkret:

„Die Finanzierung wurde von einem nicht genannten US-amerikanischen ‚Blue Chip’ Investmentfonds angeführt, der das Investment zusammen mit den neuen Investoren HBM Partners, Hillhouse Capital, Sirona Capital and dem strategischen Investor Gilead tätigte. Alle bestehenden Investoren von Hookipa, nämlich Sofinnova Partners, Forbion Capital Partners, Boehringer Ingelheim Venture Fund, Takeda Ventures und BioMedPartners nahmen ebenfalls an der Finanzierung teil.“

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Hawaiianische Inspirationen

Hookipa also. Seltsamer Name für eine Biotech-Firma, oder? Katherine Cohen, Hookipas Geschäftsführerin (CEO) von der Firmengründung 2011 bis zum Sommer 2016, erklärte ihn der Wiener Life-Science-Plattform LISAVienna folgendermaßen:

Ho’okipa Beach Park, ein Strand auf Hawaii, ist auf der ganzen Welt als Surfer-Paradies bekannt. Die hohen, wohlgeformten Wellen und die starken Winde machen es zu einem idealen Ort für diese Sportart. Als ein Team von Entrepreneuren nach einem Namen für ein frisch gegründetes Unternehmen suchte, mit dem sie eine Welle neuartiger Impfstoffe auslösen wollen, stießen sie auf die Symbolik des Windes, der Wellen und des Wassers, die mit diesem Ort verbunden ist und entschieden sich somit für einen Namen, der all die Kraft symbolisiert, die sie sich von ihrem Start-up erwarteten.“

Es ist nicht verbrieft, ob damals zusammen mit Frau Cohen und den anderen „Entrepreneueren“ auch Hookipas wissenschaftliche Köpfe und Gründer den hawaiianischen Wellen lauschten – und diese ebenso blumig mit dem Anwendungspotenzial ihrer Erkenntnisse und Techniken assoziierten. Konkret sind dies: der Zürcher Immunologen-Altmeister Rolf Zinkernagel, 1996 mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt für die Erkenntnis, welch entscheidende Rolle der MHC-Komplex bei der Erkennung Virus-befallener Zellen durch T-Killerzellen spielt; Zinkernagels ehemalige Schüler Daniel Pinschewer, heute Professor für Experimentelle Virologie an der Universität Basel, und Andreas Bergthaler, heute Gruppenleiter am CeMM-Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien; sowie Lukas Flatz, Oberarzt in der Hautklinik des Kantonsspitals St. Gallen sowie Gruppenleiter im dortigen Institut für Immunologie.

Sicher nicht mit in Hawaii dabei war damals Jörn Aldag – der ehemalige Geschäftsführer der Evotec AG (1997-2008) sowie von uniQure N.V. (2009-2016) übernahm erst im letzten Jahr Katherine Cohens Platz als Leiter des operativen Geschäfts von Hookipa.

Es sind sicherlich auch diese Köpfe samt ihrer Expertisen, auf die die genannten Investoren ihren Vertrauensvorschuss in Hookipa gründen. Doch die würden nicht viel zählen, wenn sie nicht auch vom Erfolgspotenzial der Technologien des Unternehmens überzeugt wären. Und hier stehen zwei Arenavirus-basierte Vektor-Plattformen mit den Namen Vaxwave and TheraT im Zentrum.

Immunzellen werden extrascharf

Die Mitglieder der Gattung Arenavirus infizieren als einzelsträngige RNA-Viren Nagetiere als deren natürliche Wirte, die ihrerseits wiederum kaum etwas davon merken. Hin und wieder können sie aber auch den Menschen infizieren, was dann in der Regel deutlich unharmonischer abläuft. Hämorrhagisches Fieber sowie Enzephalitis oder Meningoenzephalitis können als Zoonosen resultieren – und im schlimmsten Fall zum Tode führen.

Hookipas abgeleitete Arenavirus-Vektoren sollen natürlich das genaue Gegenteil bewirken: Menschen von Krankheiten heilen. Konkret will die Firma spezielle Immuntherapien gegen Tumor- und Infektionskrankheiten entwickeln, bei denen ihre Vektoren dendritische Zellen infizieren und dadurch starke, langanhaltende Immunantworten generieren. Und tatsächlich ist sie seit 2011 damit schon durchaus weit gekommen.

Die Vaxwave-Technologie beruht auf dem Lymphozytären Choriomeningitis-Virus (LCMV). Dort ersetzen die Hookipa-Leute das Oberflächenprotein, welches für das Eindringen des Virus in die Zielzelle verantwortlich ist, jeweils mit einem Antigen der Erreger oder der Tumorzellen, gegen die geimpft werden soll. Auf diese Weise können sich die Virusvarianten nicht im Impfling vermehren und somit selbst keine Krankheiten mehr verursachen. Vielmehr werden die resultierenden Vektoren von dendritischen Zellen aufgenommen, die daraufhin die gewünschte spezifische und starke Immunantwort initiieren.

Hookipas TheraT-Plattform gründet dagegen auf einem abgeschwächten, jedoch immer noch vermehrungsfähigen Arenavirus. Dieses löst starke Immunantworten von zytotoxischen CD8+-T-Zellen aus – eine vielverprechende Basis, um auch Patienten mit aggressiven Krebserkrankungen zu behandeln. Zumindest in Mäusen konnten die Hookipa-Wissenschaftler auf diese Weise bereits das Wachstum gewisser Tumore unter Kontrolle bringen. Überdies gelang es in präklinischen Tests, mit entsprechenden TheraT-Vektoren immunologisch „kalte“ Tumore wieder in einen inflammatorisch „heißen” Zustand zu überführen.

Die nächste Welle kommt bestimmt

Den Erlös der Kapitalerhöhung wird Hookipa vor allem einsetzen, um zwei klinische Proof-of-Concept-Studien voranzutreiben. In einer Phase-2-Studie soll der prophylaktische, Vaxwave-basierte Impfstoff HB-101 gegen das Cytomegalovirus (CMV) an Organtransplantations-Patienten erprobt werden. Zugleich wollen die Wiener im Rahmen einer Phase-1-Studie in Patienten mit Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom eine aktive Immuntherapie mit ihrem TheraT-basierten Impfstoff HB-201 durchführen.

Dass Hookipa darüber hinaus den Rest des frischen Kapitals einsetzen wird, um die Anwendung seiner beiden Technologieplattformen auf weitere Tumor- und Infektionskrankheiten auszuweiten, dürfte klar sein. Nicht ausgeschlossen also, dass die Wiener schon bald die nächste Welle losrollen lassen werden – und damit die Prophezeiung ihres eigenen Namens umso mehr erfüllen.

Ralf Neumann



Letzte Änderungen: 21.12.2017